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Österreich Radtour 2019 – Teil 2

Bevor hier der Herbst anbricht, möchte ich noch den Bericht meiner Sommertour fertigstellen, dabei war ich mit dem Ende des ersten Teils (Znojmo-Mariazell) noch vor der Hälfte der insgesamt 678 km gelandet. Doch mit dem Gscheid und dem Wallfahrtsort Mariazell waren erste kleinere Gipfelpunkte in den Ostalpen in der Steiermark erreicht. Ich befand mich in Mariazell nun auf 868m Höhe und würde nun in Richtung Gusswerk und Wildalpen der Salza flussabwärts folgen, erst bei der Mündung in die Enns würde es ab Großreifling wieder die Enns hinauf gehen. Damit hatte ich natürlich die Rechnung ohne die Berge gemacht, denn man fährt natürlich nicht wie die unzähligen Kajakfahrer, die ich in den nächsten Tagen beobachten konnte, den Fluss hinunter, sondern folgt der Straße, die zwar hangentlang folgt, aber damit auch einiges an Berg- und Talfahrt fordert – einen Radweg gibt es übrigens hier nicht, auch wenn verschiedene Websites einen „Salzatal-Radweg“ beschreiben.

So geht es auch die Salza hinunter – ohne Räder, dafür etwas nasser.

Die Salza verschwindet hinter Greith beinahe in einer Klamm, dem sogenannten Klausgraben, der nicht mit dem Rad befahrbar ist, aber es geht ein Wanderweg entlang (hier einige Fotos aus diesem Jahr) Aber schon vor Greith ist das gesamte Tal herrlich still und zumindest nun, am Montag, auch kaum mehr befahren, die ersten Motorräder bekam ich erst ab Mittag zu Gesicht.

Man nähert sich hier – innerhalb der Nord-Steiermark befindlich, die ich nun nach Westen bis hin nach Altenmarkt im Pongau durchqueren würde – einer der markantesten Berggruppen der Ostalpen, dem Hochschwab-Massiv, aus dessen Quellen und Wasserläufen übrigens seit 1910 das Trinkwasser für Wien gewonnen und abwärts in großen Leitungen transportiert wird. Während die Salza durch die Klamm fließt, durfte ich den so genannten „Hals“ erklimmen, in einigen Serpentinen geht es um zwei flankierende Berge herum und schließlich wieder nahe der Ortschaft Weichselboden hinunter zum Fluss. Dort weitet sich kurz das Tal in verschiedene Richtungen und man hat herrliche Blicke auf die umgebenden, teils felsigen oder bewaldeten Berge, die hier Ameiskogel, Hochweichsel oder Gutenbrand heißen. Spätestens ab hier sind auch die ersten Wassersportler unterwegs, die dann in größeren oder kleineren Etappen bis zur Enns-Mündung bei Palfau paddeln.

Am „Hals“ im Salzatal

Dementsprechend wilder wird die Salza, und das Tal wird auch wieder enger, man passiert die Presczenyklause, wo die Salza zu einem herrlichen See gestaut ist und einige Kilometer weiter seitlich des Flusses den Brunnsee, der aber zuflussfrei ist und ausschließlich aus Gebirgswasser besteht – ein absoluter Ort der Ruhe in der Natur, wenn man ein wenig in das Seitental hineinwandert, das Rad muss man allerdings parken. Schließlich hatte ich am frühen Nachmittag Wildalpen erreicht, einen etwas größeren, dennoch stillen und idyllischen Ort. Die Quartierssuche war gar nicht so einfach, da am Montag viele Gasthöfe ihren Ruhetag haben, das merke ich mir für die nächste Reise vor. Damit fiel der Abstecher nach Hinterwildalpen, wo ich eigentlich hinwollte, aus. Schließlich landete ich auf einem Campingplatz mit zusätzlichen Gästezimmern, der allerdings 3km zurück lag, damit durfte ich also den Hang, den ich gerade heruntergesaust war, wieder hochklettern. Inmitten von Katzen, Enten und Campern und vor allem im permanenten Rauschen der Salza konnte ich also übernachten, das Wetter war weiterhin gut, wenn auch bedeckt und in der Nacht regnete es sich wohl auch kurz ab. Deswegen aber war es mit 9 Grad herrlich frisch am anderen Morgen, und ich war nach dem Frühstück recht schnell wieder auf dem Rad. Wildalpen hatte ich dann fix durchquert und war noch recht offen, was die Tagesplanung anging.

das wildromantische und zumindest an Werktagen weitgehend stille Salzatal

Der weitere Weg führt geradezu zur Wasserloch-Klamm, einem Highlight des Salzatals, das sich hier touristisch schon als Teil des noch vor mir liegenden Gesäuses vermarktet, welches aber eigentlich zu den Ennstaler Alpen gehört, während ich hier noch weiter östlich unterwegs war. Vom Hochschwab auf der südlichen Seite des Salzatals näherte ich mich nun dem Hochkar an der nördlichen Talseite, der nur 1808m hoch ist, aber wiederum von Norden her ein beliebtes Skigebiet ist. Von Skifahrern war hier allerdings keine Spur, auch Schnee auf den Gipfeln bekam ich nicht zu Gesicht, dafür sind die Berge hier nicht hoch genug.

Hängebrücke über die Salza an der Wasserloch-Klamm

Die Wasserlochklamm ist eine Karstquelle am Hochkar, das Wasser tritt in etwa 850m Höhe aus dem Berg aus, dort etwa ist auch das namengebende Wasserloch, bei dem Taucher einmal bis zu 72m tief in den Siphon an der Öffnung hinuntertauchten. Man kann die Klamm selbst erwandern, sollte aber mindestens 2,5h Zeit mitbringen, denn es sind in steile 300m Höhenunterschied zu überwinden. Dabei sieht man fünf herrliche Wasserfälle und einen Canyon, bevor man oben staunend vor dem Loch im Berg steht, aus dem das Wasser schießt. Das Wasservolumen ist auch je nach Wetterlage sehr unterschiedlich, doch die Mitarbeiterin unten lächelte mich schon an und meinte „heute kommt viel runter, Sie haben sich einen guten Tag ausgesucht“.

Wasserloch-Klamm – einer von fünf Wasserfällen an diesem Berg im Hochkarmassiv.

Das imposante Wassererlebnis endet oben mit einer herrlichen Aussicht auf das Salzatal – mein unten geparktes Rad konnte ich nicht mehr erkennen – bevor der Abstieg dann eher ein Purzeln ist und man unten auf der Hängebrücke noch einmal die Kajakfahrer beobachten kann, die sich hier auch wagemutig von einem Sprungbrett in den Fluss stürzen.

Das Wasserloch, die Karstquelle. Hier tritt das Wasser in etwa 850m Höhe aus dem Berg heraus.

Da es nun schon Mittag war, kamen Suppe und Kaffee in der Schenke an der Hängebrücke gerade recht, und die eigentliche Wegstrecke lag ja noch vor mir. Ich hatte auch diesmal keine rechte Ahnung, wo ich landen würde. Zunächst einmal war klar, die Salza bis zur Mündung in die Enns zu verfolgen, nicht auf der großen Bundesstraße, sondern seitlich über Palfau nach Großreifling. Hier wird es kurz nochmal wellig, aber eigentlich geht es permanent hinunter. In Großreifling wechselte ich dann auf den Ennsradweg und schaute gleich einmal nach Quartieren. Das große Hostel der Kajakfahrer wirkte auf mich nicht so einladend, stattdessen gab es etwas dorfaufwärts erfrischende Heidelbeerlimonade und ich checkte weitere Gasthöfe per Anruf. Entgegen der Fahrtrichtung war nichts mehr frei, also weiter über Landl Richtung Hieflau, wo noch ein Berggasthof ein freies Zimmer anbot.

Gesäuse-Eingang nahe Admont

Das war insofern perfekt, da ich nun die Durchquerung des Gesäuses ganz in Ruhe auf den nächsten Vormittag schieben konnte und mich in Hieflau erholte, wenngleich das – ähnlich später Selzthal – einer der etwas verlorenen Orte auf der Tour gewesen ist, zwar idyllisch zwischen mehreren Taleinschnitten gelegen, aber vermutlich von früheren goldenen Zeiten, als Hieflau noch Knotenpunkt der beiden Bahnlinien Erzbergsbahn und Rudolfsbahn war, schon weit entfernt. Die meisten Läden sind geschlossen und nur am Hang entlang kräuseln sich einige Wohnstraßen. Nach Eisenerz hinauf fahren nur noch Güterzüge, ebenso durch’s Gesäuse nach Westen hinüber, nur am Wochenende gibt es einen Personenzug. Dementsprechend anstrengend ist an der Enns in dieser Gegend auch der Verkehr, und besonders idyllisch war der Radweg hier auch nicht, aber es war auch nur ein kurzes Stück am Hügel entlang, die Enns selbst sieht man hier unten im Tal oder gestaut am Kraftwerk.

Blick nach Hieflau und zum Tamischbachturm

Die kleine Bergpension wartete mit einem schönen Dachzimmer mit Blick hinüber zum markanten Tamischbachturm auf – immerhin schon ein Zweitausender, der die Gipfel im Gesäuse, Buchstein und Hochtor ankündigt. Dorthin ging es am nächsten Morgen auch zeitig, und zunächst sieht man auch nicht, was einen erwartet, denn die Straße windet sich gleich mit der Bahn um die Kurve und das Tal verengt sich. Im Gesäuse selbst hätte ich vermutlich die Möglichkeit gehabt, einige stillere Strecken an den Berghängen endlang zu wählen, diese waren aber so gekennzeichnete Mountainbikestrecken, die ich ohne meine 10kg Gepäck gerne „gemacht“ hätte. So aber blieb ich auf der Straße und bestaunte die Berge eher von unten, wie auch die hier über große weiße Monolithen tosende Enns – die Straße führt meist mit Respekt in einigem Abstand entlang.

zweites Frühstück im Gesäuse.

In Gstatterboden auf etwa halber Strecke des Gesäuses gibt es einen Nationalpark-Pavillon (und herrlichen Espresso mit Bergblick) und ein Stück weiter am Abzweig nach Johnsbach den Erlebnispark Weidendom. Für mich etwas skurril war der Anblick, wie hier die SUV-Urlauber den Parkplatz bevölkern, um draußen mit Schildern und Erklärungen betreut eine Stunde spazierenzugehen und dann mit den dicken Autos weiterzuhechten. Das Ganze wirkt dort wie eine Art Live-Vitrine der Natur, während ich tatsächlich mit dem Rad das bessere und vor allem körperliche Erlebnis schon an diesem Vormittag hatte. Mein Lieblingsplatz war etwa zwei Kilometer oberhalb dieses Parks, wo alle Autos in einem Hangtunnel verschwinden und man an einer kleinen Rasthütte einen herrlichen Ausblick auf die Enns hat – plötzlich ist auch einmal an der Straße Ruhe. Nach dem Weidendom wird es allerdings richtig laut, und zwar nicht durch den Verkehr, sondern der Fluss tobt sich hier durch den Gesäuseeingang, die Straße verengt sich und auch die Bahnstrecke muss noch mit hindurch. Hier ist man nun etwa auf 600 m angekommen, und plötzlich hat man das weite Ennstal vor sich. Wiesen, Dörfer und kleine Waldstücke wechseln sich ab und der Fluss ist wieder still und friedlich.

Über Weng ging es nach Admont, wo ich nun etwa zur Mittagszeit war und noch nicht wirklich ein „Zielgefühl“ für diesen Tag hatte. Die Gesäusedurchquerung sind auch gerade einmal 19 km Strecke, die man natürlich genussvoll langsam vornehmen sollte. Schließlich beschloss ich zunächst eine Snackpause im kleinen Stadtpark von Admont zu machen und mir das dortige Benediktiner-Stift samt der berühmten Klosterbibliothek anzuschauen, ein weiterer lohnenswerter Programmpunkt an diesem Tag. Im Stift gab es außerdem verschiedene Museen und als ich dort war, beeindruckte mich eine Handschriftenausstellung mit Manuskripten aus dem Mittelalter, aber natürlich steht man auch staunend in der barocken Bibliothek, in deren großem Büchersaal allein schon 70.000 Bände stehen.

Klosterbibliothek im Benediktinerstift Admont im Ennstal

Mich in diesem Ort niederzulassen, passte nicht ganz, dafür war auch zuviel Verkehr, denn Admont ist ein wichtiger Knotenpunkt einiger Nebenstrecken und Täler. Also weiter die Enns entlang, nun in Richtung Selzthal und Liezen, wobei ich am südlichen Talhang blieb, während von Norden bald die Pyhrn-Autobahn aus den Bergen kommt. Selzthal ist ein eigentümlicher Eisenbahner-Ort, ein Drehkreuz zwischen Linz, Salzburg und der südlichen Steiermark, ohne dass es ansonsten hier Sehenswürdigkeiten gäbe. Dementsprechend steht auch eine mächtige Dampflok auf dem Bahnhofsvorplatz als Denkmal und von hier aus beschloss ich in der Umgegend ein paar Quartiere anzurufen. Das noch etwas entferntere Aigen im Ennstal meldete ein freies Zimmer sowie einen verlockenden Grillabend im Gasthof Kirchenwirt. Okay, das würde noch weitere 16 Kilometer verursachen, aber das waren schlicht keine Entfernungen mehr für mich. Nach kurzem Blick auf die Karte wusste ich auch, dass ich die kürzeste Strecke über Lassing nehmen würde, allerdings hätte ich da mal einen Blick auf die Topographie nehmen sollen. Lassing liegt etwas abseits der Enns in einem Hochtal, und das ist natürlich in den Alpen wörtlich zu nehmen, also hinauf auf ca. 750m, und leider hier auch ohne entspannenden Radweg, lediglich der Fahrtwind der überholenden Laster kann als Positivum genannt werden. Praktisch an einem Hochtal: irgendwo ist es zu Ende, und es geht wieder hinunter, also gab es auch noch eine kleine Schussfahrt und nach weiteren 7 km landete ich in Aigen, einem Ort, den ich nicht nur wegen seiner tollen Dorfplatzgestaltung samt Café und dem kleinen Putterersee, einem Moor-Badesee direkt vor dem Dorf, sofort ins Herz geschlossen hatte.

Abendstimmung bei Aigen im Ennstal

Manchmal gibt es solche Orte, die mit einem räsonieren und genau das bereithalten, was man braucht, und daher war auch am sehr guten Quartier klar, dass ich hier einen Pausentag einlegen werde. Runter vom Rad und Füße hoch? Das gelang mir leider nicht, denn der Ort liegt nach Süden hin ebenfalls an einem Hang und man kann dort wandernd herrlich in den hier sanft beginnenden Rottenmanner Tauern „verschwinden“, sodass ich am kommenden Tag eine große Wanderung in Richtung Oppenberg unternahm. Allerdings hatte ich nur meine Rad-Turnschuhe dabei, sodass das Laufen auf der asphaltierten Hangstraße nach ein paar Stunden anstrengend wurde – die Lösung war dann, zeitweise barfuss in der Böschung weiterzulaufen, was mir meine Füße immerhin ohne eine einzige Blase dankten. Der Gasthof in Oppenberg war dann doch zu weit entfernt, so dass ich nach etwa 12 km umkehrte, wohl wissend, dass mir die gleiche Strecke zurück bevorstand. Ich merke mir den Weg für einen erneuten Besuch vor, dann geht es aber mit Rad hinüber! Am Abend gab es zur Abwechslung einmal Pizza, und am nächsten Morgen den Antritt weiter die Enns „hinauf“ – man merkt es kaum, aber am Ende des Tages war ich wieder auf 850 m Höhe angelangt.

Der Grimming (beinahe) wolkenlos in voller Schönheit.

Vorgenommen hatte ich mir, den Wochenmarkt in Schladming mitzunehmen, was sich als etwas unklug erwies, da die Strecke mit 56 km doch nicht ganz im Urlaubstempo zu bewältigen war, weil der Markt um 12 Uhr schließt, zudem gingen die Temperaturen an dem Tag fix auf 28 bis 30 Grad hoch. Am Grimming, dem großen Bergstock, an dessen Südseite ich heute vorbeifuhr, konnte man Segelflieger beobachten, weiter hinten bei Gröbming sieht man am Hang leider auch viel Urlaubsverkehr. Trotzdem ist das Tal hier breit genug, dass der Ennsradweg meist ruhig entlang des Flusses oder der Bahnlinie verläuft. Zehn vor zwölf langte ich in Schladming an, um gerade noch Köstlichkeiten vom Markt zu mir zu nehmen. Gleichzeitig hatte ich aber auch leichten Grimm(ing), die Etappe nicht doch langsamer gefahren zu sein, denn wirklich sehenswert waren die zehn Buden nicht, und Schladming selbst hat zwar eine hübsche kleine Innenstadt, die Hänge sind aber vom Planai-Skiparadies zerfurcht, der Ort selbst schläft etwas dekadent im Sommer vor sich hin, während superschnelle Seilbahnen gerade neu gebaut werden. Ein Ort zum Weiterfahren also, und daher beschloss ich auch nach der Mittagspause Richtung Radstadt durchzustarten, was nicht mehr weit entfernt liegt, aber dennoch war das der anstrengendste Teil des Tages, da der kleine Pass bei Mandling überquert werden musste und die Hitze weiter zunahm. Danach ist man von wenigen Waldstücken abgesehen zumeist auf freiem Feld und Schotter unterwegs, so dass ich mir eine weitere Pause am Flussufer mit perlender Erfrischung gönnte, was gar nicht so einfach ist, da die Enns hier sehr flott und etwas abgesenkt talabwärts fließt.

Dachsteinmassiv

Einige Male lugt von der anderen Seite das Dachsteinmassiv zwischen den Baumspitzen hervor, es erscheint aber von hier aus gar nicht so gewaltig, da das Hochtal von Ramsau noch davor liegt, somit wirken die felsigen Spitzen nicht wie knappe Dreitausender – erst im Rückblicken von Radstadt aus liegt dann das gesamte Massiv vor dem Auge. In Radstadt wurde Kaffee genossen und Quartier bezogen, erneut hier mit einem weiteren Ruhetag, der keiner wurde, weil es natürlich nun gar nicht mehr für mich funktionierte, im Gasthof die Füße hochzulegen, zumal hier die Gäste auf den Balkonen ihrer Nikotinsucht frönten, derer ich mich vor zweieinhalb Jahren entledigt habe.

Der Tipp der Wirtin war dann absolut passend, da ich eigentlich in Altenmarkt die Enns Richtung Salzach verlassen würde – damit hätte mir aber ein „Ennszipfel“, nämlich der hinauf in Richtung Quelle gefehlt. Diese kleine Tour unternahm ich dann am „Ruhetag“ als Ausflug. Hin und zurück schlugen 48 km zu Buche, das ist ja auch quasi „um die Ecke“. Meine Frage nach dem Aufstieg zur Ennsquelle in den Radstädter Tauern beantwortete die Wirtin freundlich mit „geht ja bloß am Fluss entlang“. Das ist natürlich relativ zu sehen, spätestens seit Krimml wusste ich ja, was Flüsse so alles an Höhenmetern überwinden können…

Marbachalm – höchster Punkt meiner Reise auf 1268m

Doch nach dem Frühstück hielt es mich wieder nicht lange, und ich startete in Richtung Altenmarkt und Flachau, zunächst der hier schon sehr schmalen Enns auf dem Plateau des Ennspongau folgend – das Tal ist hier breit und es gibt in Einschnitte in alle Richtungen – Zauchensee, Taurachtal oder hinüber nach St. Johann. Auch das Tal Richtung Flachau bleibt zunächst breit, die Tauernautobahn folgt, ist aber hier – mittlerweile – kaum mehr zu spüren, da die Lärmschutzwände zu richtigen Tunneln und Röhren  ausgebaut wurden – wer auf seiner Alpenquerung was sehen will, sollte also besser das Rad nehmen…

Hinter Flachauwinkl, einem im Sommer schlummernden Skiliftspot, verläßt man die Autobahn und befindet sich am Beginn des Ennsradwegs, da man dem Fluss nun nur noch per Wanderung weiter folgen kann. Stattdessen addierte ich hier in Richtung Marbachalm die Oberläufe Pleißling und Marbach in meine Fluss-Sammlung und hatte nun richtig zu tun mit dem Rad, denn es gab noch zweihundert Höhenmeter drauf, obwohl ich mich hier schon in gut 1000m Höhe befand. Am Ende belohnte das Adrenalin und die Limonade auf der Marbachalm auf 1260m. Schild und Kühe befanden: Hier ist Schluss mit Radfahren, und nach einer ausgiebigen Rast auf der Hütte ging es rasant wieder hinunter.

Von der Enns an die Salzach.

Am nächsten Tag zeigte auch das Wetter Abschiedsstimmung: nichts zu sehen vom Dachstein, alle anderen Hügel in nasse Wolken verhüllt, trotzdem war es trocken und es sollte sogar noch besser werden. Mir standen heute gut 75 km Tour bis nach Salzburg bevor, meinem geplant endgültigen Ziel. Auch heute stand ein Unterwegsprogramm an: gegen 11.15 Uhr war auf der Burg Hohenwerfen an der Salzach eine Greifvogelschau zu sehen. Würde ich diese verpassen, hätte ich noch um 14.15 Uhr eine Möglichkeit gehabt, allerdings sah es diesmal mit der Pünktlichkeit ganz gut aus, denn von der Enns hinunter zur Salzach geht es sehr flott hinunter durch das Fritztal – leider hier ohne Radweg. Aber da ich nunmehr erneut an einem Sonntagvormittag unterwegs war, war die Bundesstraße nahezu leer, lediglich in Hüttau musste ich mehrere Spielmannszüge vorbeilassen, die zum Gottesdienst durch das Dorf hindurch aufbrachen – es stand wohl ein Fest an.

kleine Flugshow bei schwülem Wetter.

Nahe Bischofshofen hatte ich die Salzach und damit einen von mir auch 2016 noch nicht befahrenen Teil des Tauernradwegs erreicht und damit die mächtigen Wände vom Tennen- und Hagengebirge. Vor mir lag die Burg Hohenwerfen, allerdings sind es noch ein paar Kilometer und ich kam „just in time“ für die Vorführung an. Da es an der Burg auch einen Schrägaufzug gibt, ist man in wenigen Minuten oben, wenn keine Schlange ist. Heute war es allerdings sehr voll, was mich nach der Vorführung dann auch schnell wieder auf’s Rad trieb. Die sehr ordentliche Greifvogelschau der Falknerei war relativ schnell beendet an diesem Tag, schlicht, weil das Wetter feuchtschwül war und kein Greifvogel der Welt an so einem Tag dazu bewegt werden sollte, Pirouetten zu drehen – was für den tiergerechten Umgang spricht, es wurde dem Publikum sogar erklärt und die erfreuten sich trotzdem am energiesparenden Gleiten einiger Adler, Falken und Bussarde.

Das Gleiten gelang mir dann auf dem Rad nicht mehr so ganz, auch wenn es zum Pass Lueg meist von hier aus gesehen bergab geht. Denn die folgende Durststrecke am Golling und an der Salzach nach Hallein hinüber zieht sich doch in der Sonne etwas und gegen 16 Uhr war ich froh, Salzburg erreicht zu haben – nach elf Tagen und beinahe 700 km in den Beinen. Die 700 machte ich an dem Tag dann auch noch voll, da ein Freund im „nur“ 23 km entfernten Laufen – somit habe ich mit wenigen Kilometern in Deutschland auch das dritte Land auf der Tour befahren – sich auf einen Besuch von mir freute und ich es merkwürdig gefunden hätte, dort mit der Bahn hinzufahren. Dementsprechend war der Abreisetag nach Dresden am kommenden Tag auch der traurigste: untätig das Rad am Haken im Waggon anzublicken war wohl die schwierigste Aufgabe der Reise quer durch Österreich, die eine herrliche Erholung und ein wunderbares Natur- und Bewegungserlebnis war – ich bin gespannt, welche Touren da noch in den nächsten Jahren auf mich warten.

Befahrene Radwege: EV13 (Eiserner Vorhang), R84/843, R403 (Perschlingtalradweg), Traisentalradweg, Salzatalradweg, Ennsradweg, Tauernradweg

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