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Österreich Radtour 2019 – Teil 1

Es ist wieder soweit: mein normalerweise kulturell-musikalisch ausgerichtetes Blog mutiert zum Reiseblog, denn ich habe mich mal wieder auf zwei Rädern auf große Fahrt begeben. Was natürlich weder Kultur noch Musik ausschließt, doch gerade letztere bestand häufig und erwünscht vornehmlich aus Naturgeräuschen, explizit dem Perlen von Wasser.

Dem Verlauf nach hätte ich die Tour von Znojmo nach Salzburg auch 12-Flüsse-Tour nennen können, tatsächlich bin ich an Thaya, Schmida, Donau, Perschling, Traisen, Walster, Salza, Enns, Pleißling, Marbach, Fritzbach und Salzach entlanggeradelt. Und während ich in den letzten Jahren in Österreich eher brav den grünen Schildern gefolgt bin (Donauradweg, Tauernradweg (hier und hier) und Murradweg), habe ich diesmal eine Route quer über alle möglichen Radwege gelegt, die ich zum Teil noch gar nicht befahren habe und die sich mit etwas ungewohntem Verlauf auch gut verbinden ließen. Da ich zudem beschlossen hatte, dass mein Start im Grenzgebiet zwischen Niederösterreich und Südmähren, nämlich im Thayatal erfolgen sollte, erschloss ich mir noch ein weiteres Gebiet jenseits des Alpenkamms. Hügel gab es auch dort genug, und entlang der Grenze führt auch der hier als EV13/R13 bezeichnete Radweg „Eiserner Vorhang“, der von der Barentssee bis ans Schwarze Meer reicht.

Einmal quer durch Österreich, bitte!

Für die Zahlenmenschen und Datenfreunde unter den Lesern: ich bin insgesamt in 9 Tagesetappen plus zwei Rundkursen 678,93 km und 6538 HM gefahren. Ohne die beiden Ausflugstouren im Thayatal bzw. zur Marbachalm in den Tauern war die reine Start-Ziel-Strecke ca. 560 km mit 4849 HM, was etwa einem Schnitt von 60 km/Tag entspricht. Der etwas knubbelige Haufen oben auf der Karte war der Rundkurs im Thayatal, hier nochmal als Extrakarte ansehbar. Wien habe ich leider oben etwas ungeschickt abgeschnitten, aber da war ich ja dieses Jahr auch gar nicht…

Znojmo, Altstadt

Mit dem Start am 31.7. hatte ich auch unverhofft in diesem Jahr eine Zeit gewählt, wo an meinen Orten meist mildes Hochsommerwetter vorherrschte, ich hatte tatsächlich nur an einem Tag Regen – nerviger war aber der Gegenwind, der an dem Tag damit einherging. Dementsprechend konnte ich auch die Naturschönheiten und Ausflüge bei meist bestem Wetter und guten Fahrbedingungen genießen, zudem hat mein Rad die über 600km komplett pannenfrei mitgemacht. Ich bin mit etwa 10kg Gepäck unterwegs gewesen, was etwa alle 2-3 Tage Handwäsche bedeutete; die meisten Unterkünfte habe ich spontan gesucht und gefunden, sie lagen allesamt zwischen 26 und 54 € pro Nacht.

Die Anreise nach Znojmo ging von Dresden aus mit České dráhy, der tschechischen Staatsbahn, völlig problemlos, interessanterweise ab Prag mit dem EC „Metropol“, der ja früher ein Nachtzug Berlin-Budapest war, dann ab Břeclav mit einem Nahverkehrszug durch Südmähren via Mikulov. In Znojmo hatte ich eine stadtnahe Pension und von dort aus ist das Tal der Thaya, das hier in einem Nationalpark durch beide Länder an der Grenze führt, gut erreichbar. Znojmo selbst ist eine absolut sehenswerte Stadt; die Altstadt steht komplett unter Denkmalschutz und bietet Entdeckungen vom 11. Jahrhundert – die Rotunde der heiligen Katharina ist ein nationales Denkmal in Tschechien – über Renaissance und Barock bis hin zur Moderne.

Erster Blick zur Thaya mit dem Eisenbahnviadukt bei Znojmo.

Am nächsten Tag startete ich meine Tour ins Thayatal, wobei man bedenken muss, dass Znojmo selbst auf einer Felszunge liegt, somit die erste Tal- und Bergfahrt nach drei Minuten ansteht. Davon gab es dann noch zahlreiche, denn die Thaya macht sich hier die Mühe, in mehreren Schlingen durch die Hügel zu furchen, was für die Radtour am ersten Tag unverhoffte 1100 HM eintrug, vielleicht etwas zu heftig, um Kondition aufzubauen, aber der zweite Tag war dann eher flache Langstrecke. Und am liebsten wäre ich gleich hiergeblieben, denn das Tal ist eine absolute Naturschönheit und nicht umsonst Naturpark sowohl in Tschechien (dort heißt er Národní park Podyjí) als auch in Österreich (Nationalpark Thayatal). Dementsprechend gibt es auch nur wenige Radwege, die aber die schönsten Orte der Gegend erreichen und auch Rastplätze und Einkehrmöglichkeiten bieten.

Die österreichische Klein(st)stadt Hardegg war mein Ziel an dem Tag – wohlwissend, dass ich wieder nach Znojmo zurückfahren muss. Auf dem Weg lag die Burg Nový Hrádek u Lukova (Neuhäusel bei Lukov), die per Abstecher erreichbar ist und über einer Dreifachschleife der Thaya thront. Sie ist nur mit Führung (ca. alle halbe Stunde) begehbar, es lohnt sich aber, da man viel über das Burgleben und die Architektur erfährt, aber vor allem ist die Ruine nun von der Natur erobert und bewohnt, was an meinem Tag zu Begegnungen mit Schlangen, Waldkauz, Fledermaus, Echsen und Käfern führte (Luchs und Wildkatze (!) leben dort auch, die bekam ich aber nicht zu Gesicht…), von der Fauna und dem herrlichen Ausblick ganz abgesehen. Der Burg widme ich noch einen extra Artikel.

Wundervolles Thayatal.

Die ganze Zeit über befindet man sich in einem Gebiet, das man vor 30 Jahren nicht einmal mit dem Rad befahren hätte können – schon Znojmo liegt innerhalb des „Eisernen Vorhangs“, der zumindest hier, in der Nähe von Čížov, auch noch sichtbar wird – als Gedenkstätte mit einigen erhaltenen Grenzzäunen, was zu einem Innehalten beim Radfahren führt und zu einigen Gedanken, welche Freiheit und welches Europa ich hier gerade aktiv erlebe. Die eigentliche Staatsgrenze liegt unten an der Thayabrücke und wurde 1990 als Wanderübergang wieder eröffnet.

Die Thaya bei Hardegg – die Wasserhahnenfußblüte hatte ich knapp verpasst.

 

Gegenüber liegt Hardegg, wo ich dann Kuchenpause einlegte, bevor die bisherigen Abfahrten nun als Steigungen zu bewältigen waren. Kurz hinter dem Teich von Podmolí nahm ich eine andere Route zur Rückfahrt, man fährt hier bergab Richtung Osten und gelangt über einen Hangweg hinunter zu einer Hängebrücke über die Thaya. Von dort geht es eigentlich nur noch bergauf über drei kleine Dörfer und Weinhügel nach Znojmo zurück, das man natürlich auch wieder erklimmen muss. Damit hatte ich gleich am ersten Tag eine sehr anspruchsvolle Runde gedreht und vor allem viel Natur erlebt.

Gedenkstätte Eiserner Vorhang bei Čížov.

Am zweiten Tag dann der wirklich „heiße“ Start in die Tour, denn ich verabschiedete mich vom Thayatal und hatte als nächstes Ziel das Donauufer eingeplant, damit also eine Fahrt durch das westliche Weinviertel und später einen Teil des Mostviertels in Niederösterreich. Damit ist auch schon genannt, was überwiegend den Weg säumte und auch die Radwege benennt – dort gibt es „Rivaner“ und „Riesling“-Radwege – Weinanbau und viel Landwirtschaft natürlich auch. Von Znojmo geht es über den „Heiligen Stein“, einem Kraftort mit einer ehemaligen Kirche hinüber nach Retz und dann „über die Dörfer“, wobei der Ort „Platt“ ausgerechnet noch vor einer unerwarteten Serpentinensteigung liegt… Ich hielt mich dann überwiegend an den R84-Weg, der gut ausgeschildert an der Schmida entlang von Nord nach Süd führt. Im Tullnerfeld südlich von Großweikersdorf bog ich dann Richtung Neuaigen und Tulln ab, zwei Brücken führen hier über die Donau. Das Zimmer in Langenschönbichl hatte ich schon 2015 bei der Donautour, daher war dies das Ziel der Etappe, nun auch hatte ich Zeit, um mir Tulln anzusehen, das etwas verschlafen hinter dem Donaudeich liegt – damals hatte ich das ausgelassen, weil ich tagelang bei 34 Grad radelte und daher in den Frühstunden an der Stadt vorbeiradelte.

Donau erreicht!

Der dritte Tag gehörte dem Traisental und dem zugehörigen Radweg, der mich nun in die Ostalpen führen sollte. Zuvor musste ich aber noch die kleine Schleife von der Donau zur Traisen hinüberfahren, das versuchte ich an der Perschling entlang, wo offenbar schon mehrere Radfahrer versucht haben, die etwas verschlungene Wegführung wieder zu rekonstruieren. Mir gelang es via Weg 403 über Atzenbrugg, Kapelln und Pottenbrunn dann doch gut nach St. Pölten und damit an die Traisen zu gelangen. Allerdings war genau dies der Tag mit Regen und einem ziemlich starken Gegenwind aus Westen. Ich stärkte mich auf dem Wochenmarkt in St. Pölten, wo ich mich aber nicht länger aufhielt, da ich noch ein wenig bergan kommen wollte. Der Traisentalradweg geht dann immer zwischen Bahnlinie und Fluss hinauf in die Berge, die immer näher rücken, aber hier noch gemäßigt hoch sind. In Lilienfeld, einem schön gelegenen Ort mit einer großen Stiftskirche, gab es mehrere Übernachtungsmöglichkeiten, die aber alle belegt waren, sodass ich noch außerplanmäßig ein Stück den Türnitz-Radweg auf einer alten Bahntrasse entlangfuhr, da in Lehenrotte ein Gasthof noch ein Zimmer hatte. Allerdings endete die Etappe quasi zwei Kilometer davor, da ich doch noch in ein Gewitter geriet und erstmal im Gebüsch verharren musste. Am Abend unternahm ich noch eine Wanderung in das Seitental des Kräuterbachs bei Lehenrotte, ein erster Ausflug in die absolute Ruhe der Natur und ein Alpenvorgeschmack etwa auf 500m Höhe.

Markt in St. Pölten

Schön ist ja, dass einem die meisten Radler auf dem Traisentalradweg entgegenkommen, denn von oben hinunter rollt es ja fast bis zur Donau durch. Ich hatte allerdings den umgekehrten Weg gewählt, mein Ziel am folgenden Tag lag auf 868m im Wallfahrtsort Mariazell, damit schon in der nördlichen Obersteiermark. Naturtechnisch begab ich mich damit von den Türnitzer Alpen in Richtung Hochschwab-Gruppe, radtechnisch hieß das vor allem: hoch! Bis St. Aegyd war das noch einigermaßen okay, danach bis Kernhof knackig, und ab dort mit Gepäck schlicht nicht machbar, leider ist diese im Winter sicher auch gut zu rodelnde Strecke auf Fotos schwer zu erfassen. Es geht von dort steil hinauf zum „Gscheid“, einer Hochfläche auf etwa 990m. Für das Kameltheater in Kernhof hatte ich dann auch keinen Seitenblick mehr, ein paar Tage nach meinem Passieren büxte dort ein Känguru aus, es ist noch immer unterwegs.

Ab heute sollte ich auch mit der Spezies Motorrad Bekanntschaft machen, denn es war nun Wochenende und meine Tour lag in den kommenden drei Tagen mitten im Bikerparadies. Zumeist war das ungefährlich, weil die meisten auch gut fahren können und aufmerksam sind, dennoch habe ich vor allem Rechtskurven besonders achtsam befahren, weil ein von hinten auftauchendes, mit 70 in der Kurve liegendes Motorrad nicht großartig korrigieren kann, wenn ich hinter der Kurve mit 13 km/h den Berg hochschnaufe.

Es geht hoch zum ‚Gscheid‘.

Vom ersten „Dach“ der Tour auf dem Gscheid geht der Radweg über Ulreichsberg landschaftlich reizvoll weiter, und er umgeht damit auch die stark befahrene Bundesstraße. Nun begegnet man erstmals der Salza und biegt dann in das Tal der Walster mit dem schön gelegenen Hubertussee ab, hier sind viele Wanderer und Ausflügler unterwegs. Leider hat man noch die Serpentinen hinauf nach Mariazell vor sich, die alternativlos sind. Oben angekommen, begegnet man (es war Sonntag) sehr vielen Menschen, die allesamt ebenso hinaufgekommen sind, allerdings meist mit Motorrädern oder SUVs.

Die Basilika Mariä Geburt in Mariazell.

Neben der großen Wallfahrtskirche, die ein Mariengnadenbild beherbergt, wird allerhand Kurzweil und Touristenschnickschnack für die Besucher geboten. Ich übernachtete im benachbarten Sankt Sebastian in einer von Ungarn geführten Herberge (was auch für das deftigste Frühstück der Tour sorgte…) – die Ungarn haben eine besondere Beziehung zu Mariazell, die bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht. Einen kleinen Ausflug machte ich noch an den Erlaufsee, ein idyllischer See zum Baden und Erholen, den man auch mit einer Museumsbahn erreichen kann.

Erlaufsee bei Mariazell

Teil 2 folgt!

Befahrene Radwege: EV13 (Eiserner Vorhang), R84/843, R403 (Perschlingtalradweg), Traisentalradweg, Salzatalradweg, Ennsradweg, Tauernradweg

 

 

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