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Äußerst ambitionierte Premiere

Dresden hat ein neues Sinfonieorchester: die „Junge Sinfonie Dresden“

Reich gesegnet ist, wer im Elbtal gerne sinfonische Musik hören mag – neben Staatskapelle, Philharmonie und Elblandphilharmonie wetteifern etliche weitere Ensembles um die Gunst des Publikums, dabei sind manche Orchester, gleich ob Laien oder Profis, mit Feuereifer und mindestens ein bis zwei regelmäßigen Projekten am Start. Und doch ist es ein Unterschied, ob man sich als Jugendlicher zur Pflichtprobe im Musikschulorchester trifft oder tatsächlich zu einem freien Musikmachen unter Freunden, aus reiner Lust am Objekt heraus. Das wird auch die Motivation gewesen sein, als der 21-jährige Dirigent Maximilian Otto mit dem Tubisten Thorsten Winkler die Idee zur „Jungen Sinfonie Dresden“ schmiedete. Otto stammt aus Chemnitz, war Schüler am Sächsischen Landesgymnasium und studiert nun Dirigieren bei Ekkehard Klemm an der Dresdner Musikhochschule, trat aber in Dresden auch schon als Pianist und Komponist hervor.

Als die Idee Form annahm, galt es zunächst einmal, via Smartphone und Whatsapp alles und jeden zusammenzutrommeln, was in ansprechender Weise ein Instrument bedienen kann und obendrein als Überzeugungstäter(in) mit im Bunde sein wollte. Und am letzten Wochenende war es soweit: das Gründungskonzert der Jungen Sinfonie Dresden fand im Saal des Landesgymnasium Dresdens statt, welches dafür den Raum zur Verfügung stellte, und das gleich zweimal vor vollem Haus. Auf der Bühne: 55 junge Musikerinnen und Musiker, zum Teil Schüler des Landesgymnasiums für Musik, Studierende der Hochschulen oder Mitglieder der Landesjugendorchester aus Thüringen und Sachsen.

Emanuel Roch (l.) und die Junge Sinfonie Dresden, Leitung: Maximilian Otto

Man könnte nun meinen, gut, zum ersten Beschnuppern reicht vielleicht eine Sinfonie von Haydn oder Mozart, doch Maximilian Otto wählte sogleich ein spätromantisch-anspruchsvolles Programm voller spielerischer Herausforderungen, nämlich Tschaikowskys „Romeo und Julia“-Ouvertüre, Griegs berühmtes Klavierkonzert a-Moll und die 2. Sinfonie von Carl Nielsen. Nachdem man gerade noch freudig gestaunt hatte, dass ausgerechnet diese absolut selten gespielte Sinfonie des dänischen Sinfonikers gleich in die Gründungsannalen des Orchesters eingehen würde, galt das nächste Staunen den Interpretationen. Denn Otto und das Ensemble gingen mit hohem eigenen Anspruch an die Werke heran – bereits in der Fantasieouvertüre „Romeo und Julia“ saßen nicht nur die Töne sauber an ihrem Platz. Die Geschichte des Shakespeare’schen Liebespaars wurde mit ordentlich Spannung und mutigem Zugriff musiziert, und dabei wurde die schwierige Akustik des Saales ebenso gemeistert wie die Aufgabe, sieben erste Geigen (es werden sicher noch mehr bei kommenden Projekten) wie vierzehn klingen zu lassen.

Dass der Dirigent gleich selbst durch’s Programm führte, war Ehrensache, ebenso wie die Zusage des Pianisten Emanuel Roch, ehemaliger Schüler des Landesgymnasiums, jetzt Student bei Antti Siirala an der Musikhochschule München. Kraftvoll und spielfreudig war sein Zugang zu dem beliebten Klavierkonzert von Edvard Grieg, bei dem das Orchester nicht an schwelgerischen Klangfarben sparte. Ein selbstkomponiertes Intermezzo gab Emanuel Roch als Dank für den großen Beifall hinzu. Nach der Pause erklang in ebenso sorgfältiger Erarbeitung die 2. Sinfonie von Carl Nielsen, in der sich der dänische Spätromantiker durchaus dramatisch und herausfahrend den „Vier Temperamenten“ in je einem Satz widmet, dabei war vor allem der Höhepunkt im langsamen dritten Satz sehr gut ausgestaltet.

Dort fiel auch besonders der warmtönende und auf den Punkt gebrachte Bläserklang des Orchesters auf – der Posaunist Frank van Nooy (Staatskapelle Dresden) hatte da wertvolle Unterstützung in den Proben geleistet. Am Ende gab es viel Jubel für Maximilian Otto und die Junge Sinfonie Dresden und auch kräftiges Durchatmen bei den Instrumentalisten – eine tolle Sache! Jetzt ist das Ensemble in der Welt und die Kinderschuhe, aus denen es nach und nach rauswachsen darf, sind auf jeden Fall bunt, rutschfest und passen wie angegossen. Zwei Projekte im Jahr traut sich Otto zu, der vermutlich, während Sie diesen Artikel lesen, schon die nächsten Partituren für das kommende Konzert sichtet – es soll im Frühjahr 2020 stattfinden. Bis dahin sollten auch noch mehr Unterstützer für das Vorhaben gewonnen sein, so dass ein Umzug in einen für Sache auch akustisch angemessenen Konzertsaal möglich ist.

Fotos (c) Alexander Keuk

Veröffentlicht in Rezensionen

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