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Lust am Neuen

Eine Kammermusikreihe beginnt am Sonntag in der Zeitenströmung Dresden.

Man möchte meinen, mit den zahlreichen Aufführungen in Oper und Konzert sind die Musikerinnen und Musiker der Staatskapelle Dresden bestens versorgt, doch gerade die Kammermusik ist vielen ein wichtiges Betätigungsfeld innerhalb – wie in der kapelleigenen Kammermusikvereinigung – wie außerhalb der Semperoper, so beispielsweise in dem schon kultigen Einabendfestival „Ohne Frack auf Tour“ in der Dresdner Neustadt.

Und weil der Kreativität bekanntlich keine Grenzen gesetzt sind und Dresden auch hinsichtlich neu zu entdeckender Spielorte einiges an Potenzial bietet, machen zwei junge Kapellmusiker jetzt Nägel mit Köpfen: Die beiden Geiger Lukas Stepp und Michael Schmid entdeckten mit der Kammermusik, die sie mit Kollegen im Orchester, aber auch mit Freunden aus anderen Ensembles oder von ihren früheren Hochschulen stetig pflegen, gleichzeitig die Lust am Neuen. Die Initialzündung kam den beiden auf einer Tournee der Staatskapelle Dresden durch China bei einem stimmungsvollen Aufritt in einem Atrium in Aranya, einer Künstler- und Intellektuellensiedlung in der Nähe von Peking. Warum also nicht auch hier einmal ungewohnte Orte bespielen und so einzigartigartige Erlebnisse, aber auch Experimente schaffen?

Gesagt, getan –  „Klassik Novum“ heißt das Kammermusikkind nun und verortet als erstes die Darbietungen nicht mehr ins Plüsch der Semperoper, sondern zur Premiere (weitere spannende Orte sollen folgen) in den Dresdner Klassiker Handel in der Zeitenströmung, ein Ort mit postindustriellem Charme also, und mit bereits ausgetesteter und für hervorragend befundener Akustik zudem. Neu soll auch der Zugang des Publikums zur Musik sein – neben der reinen Konzertdarbietung wird es immer die Möglichkeit zum Austausch mit den Musikern geben. Und auch die Genregrenzen etwa in Richtung Literatur oder Tanz sollen mühelos überschritten werden und damit eine Verbindung der Künste ermöglichen. Im ersten Konzert wird dies eine literarische Annäherung sein, die von der Schauspielerin Sophie Arbeiter vom Nationaltheater Mannheim übernommen wird.

Musikalisch wird Arnold Schönbergs berühmtes Streichsextett „Verklärte Nacht“ im Mittelpunkt stehen. Das 1899 entstandene Werk auf ein Gedicht von Richard Dehmel steht in idealer Weise für eine gegenseitige Inspiration der Künste, die Schönberg selbst ja auch in seinem „Verein für musikalische Privataufführungen“ beförderte – doch im Gegensatz zum hier herausklingenden elitären Ansatz des Komponisten möchten Stepp und Schmid eben gerade viel neues Publikum erschließen. Die Programme werden daher auch abwechslungsreich gestaltet, und im ersten Konzert, das die Initiatoren in Anspielung auf die Dehmels Mondnacht „Klangteleskop“ genannt haben, wird es weitere Einblicke in kammermusikalische Sphären geben, nämlich einen spannenden Vergleich zweier Klarinettenquintette – mit Wolfgang Amadeus Mozarts Quintett in A-Dur steht da ein echter Klassiker auf dem Programm.

Das hohe Niveau bei der Darbietung dieser anspruchsvollen Werke ist ohnehin gewährleistet, zumal den beiden Musikern gleich bei der ersten Veranstaltung viel prominente und klangstarke Starthilfe aus dem Orchester beiwohnt. Neben Lukas Stepp und Michael Schmid musizieren Federico Kasik (Violine), Norbert Anger und Friedwart Christian Dittmann (Cello), Robert Oberaigner (Klarinette) sowie Holger Grohs und als Gast von der Dresdner Philharmonie Matan Gilitchensky (Viola).

  • „Klangteleskop“, das erste Kammermusikkonzert von Klassik Novum mit Werken von Mozart, Penderecki und Schönberg findet am Sonntag, den 1.3.2020 um 17 Uhr im Dresdner Klassiker Handel in der Zeitenströmung, Königsbrücker Straße 96, der Eintritt beträgt inklusive Snacks und Umtrunk 30 € (erm. 15 €),
  • Ticketreservierung ist über klassiknovum@gmail.com möglich
  • das nächste Konzert ist für den 5.7., ebenfalls in der Zeitenströmung geplant.
  • Website: https://klassiknovum.com/

Fotos (c) Shirley Suarez, Pommernell/Privat, Beowulf Sheehan

 

Veröffentlicht in Features Rezensionen

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