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Ferneyhough

Gestern war der britische Komponist Brian Ferneyhough an der Hochschule. Im Podiumsgespräch ging es um das Komponieren heute, um seine Ansichten dazu. Irgendwann fiel das Zitat „Musik müsse erschüttern“ – es nütze nichts, wenn die Nachhaltigkeit, die Tiefe der Musik nicht vorhanden ist, sie nicht beim Hörer ankommt. Ein Grund übrigens, warum man viele Werke der letzten 50 Jahre nach ihrer Uraufführung nie wieder hört. Stillschweigendes Durchfallen. Jedenfalls gab Ferneyhough ein schönes Gegenbeispiel für „Erschütterung“. Er war in der Schweiz bei Leuten (Name vom Komponisten nicht genannt) zum Diner eingeladen. Diese bereiteten sich intensiv auf den Gast vor und waren der Überzeugung, man müsse ihm zum Essen auch eine adäquate Musik anbieten. So saß Ferneyhough dort beim Schweinebraten und im Hintergrund lief eines der späten Beethoven-Quartette, so etwas müsse einem Komponisten doch gefallen. Ferneyhough berichtete, an diesem Abend sei er wirklich „erschüttert“ gewesen…

Nebenbei bleibt mir als Essenz der Veranstaltung in der Hochschule die Formulierung „durchgeknallte Intellektualität“ hängen. Viele Künstler sind durchgeknallt. Andere sind hochgradig intellektuell. Doch meistens trennen sich dort die Wege. Der eine läßt alles fließen und zeigt auf seinen Bauch. Der andere konstruiert himmlische Hirnkonstruktionen, die einen emotional völlig kalt lassen. Dass sich beides in einer dermaßen explosiven und kompromisslosen Form in einer Person gegenseitig befruchtet, ist mir eine neue Erfahrung.

Veröffentlicht in hörendenkenschreiben

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