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Im Zwischenreich

Kurzkritik: Lenio Kaklea „The Birds“ in Hellerau

Der „Heller Sommer“ beim Europäischen Zentrum der Künste Hellerau begann am 27. August mit einem Tanztheater-Abend einer griechischen Choreographin. „The Birds“ von Lenio Kaklea berichtet von einer Welt aus Sicht der Vögel, Aristophanes Komödie bildete die Grundlage, eher eine lose Folie, bei der sich Kaklea offenbar und natürlicherweise von den Formationen und Kommunikationsarten der Wesen inspirieren ließ, die in dem griechischen Bühnenspiel die Welt beherrschen, letztendlich ihren menschlichen Urgrund aber nicht abstreifen können. Tanztheater schafft da mehr Abstraktion und die Möglichkeit, sprichwörtlich in die Fantasiereiche abzuheben. Das schafft Kaklea auch, indem Sie bei ihrer kleinen, aber feinen Tanztruppe Aspekte der Leichtigkeit in den Bewegungen untersucht und immer wieder neue Konstallationen vom Solo bis zur Gruppe bildet.

Trotzdem darf man sich „The Birds“ nicht als 1:1 Übertragung vom Reich der Tiere auf das Tanzparkett vorstellen, eher geht es um Interaktionen und Impulse, die die Tiere auslösen, also eher um eine Art Zwischenreich zwischen Mensch und Tier. Dazu passt auch, dass von den „bioakustischen Aufnahmen“, die an einem französischen Forschungsinstitut gemacht wurden, für die Zuschauer nichts zu bemerken ist. Stattdessen werden Landschaften aus fröhlich insistierenden Synthie-Klängen geschaffen, die in ihrer Dur-Seligkeit manchmal etwas zu süßlich sind. In den raumgreifenden Vogel-Tänzen hätte Kaklea sogar noch radikaler werden können, wenn man den zeitlichen Bogen noch extremer gespannt hätte.

Das aber würde auch stark an die Grenzen der sieben Tänzer rühren, die viel Ausdruck und Spannung einbrachten, sich aber auch nicht wirklich entmenschlichen konnten. Der Traum vom Fliegen bleibt – der Traum von frei sich entfaltenden Künsten aber ebenso, denn die Eröffnungsfeier im Anschluss bot den fahlen Beigeschmack, dass solche Produktionen, die von einer speziellen, nun gestrichenen Förderung profitierten, künftige in Hellerau nicht mehr realisiert werden können. Der Protest hielt sich beim braven Publikum in Grenzen, offenbar scheint ein schleichender Kulturabbau selbst bei den Besuchern nur mit einem Achselzucken quittiert zu werden. „Friß oder stirb“ ist aber die denkbar schlechteste Haltung in Bezug auf eine lebendige Teilhabe an dem was (nicht mehr) geboten wird.

Foto (c) Albert Vidal Vertex Comunicacio

 

 


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Veröffentlicht in Dresden Rezensionen Weblog

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