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Dreimal Amerika

Matinee des Hochschulsinfonieorchesters in der Semperoper mit Gershwin, Britten und Dvorak

Traditionell veranstaltet die Hochschule für Musik mindestens eines ihrer Orchesterkonzerte der Saison in der Semperoper – die sonntägliche Matinee erhält auf diese Weise einen festlichen Rahmen, der überdies gut geeignet ist, um die jährliche Verleihung des Carl-Maria-von-Weber-Stipendiums an besonders begabte Studenten des Institutes vorzunehmen. 2013 erhalten Ho Jeong Lee (Klavier) und Steffen Roth (Schlagzeug) das von der Stiftung Kunst und Kultur der Ostsächsischen Sparkasse finanzierte Stipendium – neben der knappen Laudatio und biografischen Bemerkungen im Programmheft erfährt man über die beiden jungen Künstler wenig; so bleibt die Hoffnung, dass man den beiden in musikalischer Umgebung bald erneut begegnet.

Zwei anderen Solisten blieb es vorbehalten, dem Publikum im ersten Teil des Konzertes ihr Können darzubieten. Dabei bewies die Pianistin Hesu Lee (Klasse Prof. Pruggmayer-Philipp) bei der Wahl ihres Stückes kein glückliches Händchen, denn zu George Gershwins kurzem und allseits bekannten Reißer „Rhapsody in Blue“ fand sie keinen überzeugenden Zugang. Diese Rhapsodie benötigt Freiheit, Frechheit und ein entsprechendes Temperament des Solisten. Lee hingegen ordnete Gershwin in das spätromantische Klavierrepertoire ein und zeigte zwar eine makellos exakte Ausführung, die aber hier ebensowenig gefragt ist wie die ungünstig zerdehnten Fermaten und die albumblattähnliche Ausführung von Blues-Melodik. In dieser Atmosphäre wagte das Hochschulorchester unter Leitung von Rektor Ekkehard Klemm auch nicht den letzten Kick, obwohl das einleitende schöne Klarinettensolo und manch rhythmische Verve gefielen.

Amerikanisch war das ganze Sinfoniekonzert geprägt: wenngleich der englische Komponist Benjamin Britten, dessen 100. Geburtstag dieses Jahr begangen wird, sich nur zwischen 1939 und 1942 in den USA aufhielt, schrieb er dort ein gewichtiges, dennoch selten zu hörendes Werk: sein Violinkonzert Opus 15 hat sich im Konzertrepertoire nie wirklich durchgesetzt. Die aus Tschechien stammenden Solistin Lenka Matejakova (Klasse Prof. Jörg Faßmann) leistete Überzeugungsarbeit für Britten und begeisterte das Publikum mit einer völlig souveränen und intensiven Interpretation. Wo der Tonsatz Brittens Gefahr läuft, zu trocken zu klingen, fand Matejakova zu großen Bögen und viel innerer Dramatik, die vor allem den Ausklang des 3. Satzes bestimmte. Nur zu bestaunen war auch ihr Mut, die großen G-Saiten-Passagen mit vollem Einsatz anzugehen und eine harte, aber niemals unflexible Tongebung in den schlagzeugartigen Passagen im 2. Satz zu wählen. Klemm fand in der Begleitung schnell zum typischen Britten-Klang in der Mischung aus sauber ausgehörter Harmonik und raffiniert angelegter Rhythmik.

Nach der Pause erklang das wohl berühmteste Werk eines Europäers in der „neuen Welt“ – Antonin Dvoraks 9. Sinfonie war für das studentische Orchester ein volltönend-dankbares Werk, in welchem Klemm auf viel Lebendigkeit und das natürliche Ausspielen ruhiger Passagen setzte. Manch Wackler war da durchaus verschmerzbar, denn hier fand das Hochschulorchester insgesamt zu gutem, in der Dynamik wie in der thematischen Ausgestaltung sehr ansprechendem Spiel.

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